Kunstraum B und öffentlicher Raum

Im Kunstraum B wird die Ausstellung von Vladimir Sitnikov mit dem Titel „Stop and Go“ mit grafischen Arbeiten ( Filzstift auf Sperrholz ) aus dem Jahr 2007 gezeigt. Bei den Abbildungen handelt es sich inhaltlich um Krimiszenen, die comichaft mit flüchtig-prägnantem Filzstift-Strich auf kleinformatige Sperrholzplatten gezeichnet sind.

Archetypische Figuren und Schauplätze des Genres sind hier versammelt. Der Mann im Trenchcoat, genauso wie das hübsche weibliche Opfer, das düstere Haus im blutroten Mondschein, wie der Blick in vergitterte Räume. Textfragmente erläutern die Illustration nur scheinbar. Beim Betrachter fügen sie sich durch Assoziation zu kleinen Geschichten zusammen.

Die Hauptarbeit befindet sich im öffentlichen Raum auf einem fahrenden KVG-Bus. Hier handelt es sich um eine besondere Präsentationsform eines kleinformatigen Bildes (DIN A5), welches im Original gleichzeitig in der Ausstellung im Kunstraum B zu sehen ist.

Das Werk wurde über Reproduktionsverfahren vergrößert und dann als 9 Quadratmeter großes Traffic Board auf dem Bus durch eine bedruckte Klebefolie sichtbar gemacht. Die Arbeit, mit dem Titel „Wir sind auch dabei … “, wird als Versatzstück im öffentlichen Raum für den Betrachter durch das plakative Format zur physischen Erfahrung.

Das Motiv der 4 schwarzgekleideten Männer vor denen ein Geldkoffer liegt, läßt jetzt verschiedene Assoziationsketten zu, da das Motiv nicht mehr an den Krimi – Szenenkosmos von Sitnikovs Ausstellung im Kunstraum B gebunden ist, sondern jetzt mobil durch den öffentlichen Raum an wechselnden Orten immer wieder neue Bühnen bespielt.

Es könnten Börsenspekulanten, Kunstsachverständige, ein Gangsterquartett, 4 verkleidete Typen, 4 Schwarzfahrer sein, vor denen das Geld auf der Straße liegt.

Die Motivation dieser Ausstellungsform ist durch die Auseinandersetzung wie folgt entstanden – Wie präsentiert man Malerei und Grafik in ihrer subtilen Aussage im öffentlichen Raum, ohne daß sie von der lauten visuellen Werbewelt im innerstädtischen Bereich übertönt wird, zugleich aber auch als Erweiterung der öffentlichen Bildwahrnehmung verstanden werden kann ? – Dabei entstand die Idee, die Werbefläche auf einem Stadtbus zu nutzen, indem man die konventionelle Werbeaussage der Fläche durch die Raumgestaltung so, wie sie im Ausstellungswesen eingesetzt wird , transformiert und sie zu einer mobilen Galerieausstellungswand im öffentlichen Raum erklärt.

Die reduzierte, eher nüchterne Gestaltung des Traffic Boards mit Vladimir Sitnikovs Motiv, wird mit der Klarheit einer Galerieausstellungswand vereint. Sie polarisiert die oft übertriebene und reizüberflutete Werbewelt, die manchmal in einen visuellen Analphabetismus mündet. Für den Betrachter wird der Moment der Wahrnehmung für das Wesentliche dieser Arbeit durch den vorbeirauschenden Bus zu einer flüchtig erzeugten Kunst im öffentlichen Raum.

Christof Klemmt